Blitzerarten & Messgeräte: Wie Blitzer messen
Laser, Lichtschranke, Radar oder Sensoren in der Fahrbahn: Jeder Blitzer misst anders – und jedes Verfahren hat seine eigenen Schwachstellen. Wer weiß, welches Gerät ihn erwischt hat, weiß auch, wo man bei der Prüfung ansetzt. Hier finden Sie alle Blitzerarten und die wichtigsten Messgeräte in Deutschland.
Auf einen Blick
Blitzerarten nach Technik
Wie das Tempo gemessen wird – mit den Geräten, die das Verfahren nutzen.
- TechnikLaserblitzerLaserscanner und Laserpistole: Messung über die Laufzeit von Lichtimpulsen.PoliScan Speed · PoliScan FM1 · TraffiStar S350 · Leivtec XV3 · Riegl FG21-P
- TechnikLichtschrankeMehrere Lichtsensoren messen die Zeit, die ein Fahrzeug zwischen ihnen braucht.ESO ES 3.0 · ESO ES 8.0
- TechnikRadarblitzerDer Klassiker: Messung über die Frequenzverschiebung reflektierter Radarwellen.Multanova 6F · Traffipax SpeedoPhot
- TechnikSensorblitzerPiezosensoren oder Induktionsschleifen in der Fahrbahn – stationär und unsichtbar.TraffiStar S330 · TraffiPhot S
- TechnikVideomessungNachfahren mit Video im Polizeifahrzeug und Abstandsmessung von der Brücke.ProViDa · VKS
- TechnikHandyblitzerKameras mit KI erkennen das Handy am Steuer.Monocam
- TechnikSection ControlDurchschnittstempo über eine Strecke – in Deutschland abgeschaltet, im Ausland verbreitet.
Blitzerarten nach Bauform und Einsatz
Wie der Blitzer aussieht und wo er steht – dahinter steckt jeweils eine der Techniken oben.
- BauformMobiler BlitzerStativ, Messfahrzeug oder Laserpistole – heute hier, morgen dort.
- BauformStarenkasten & BlitzersäuleFest installierte Anlagen am Straßenrand.
- BauformBlitzeranhängerEnforcement Trailer: misst tagelang autark, oft an Baustellen.
- BauformRotlichtblitzerMessen, wie lange die Ampel schon rot war.
- BauformInfrarotblitzerBlitzer ohne sichtbaren Blitz – und warum Sie trotzdem erwischt werden.
- BauformLärmblitzerMessen Lautstärke statt Tempo – im Ausland schon im Einsatz.
Die Messverfahren im Vergleich
| Technik | So wird gemessen | Typische Geräte |
|---|---|---|
| Laserscanner | Ein Laser tastet den Verkehr fächerförmig ab und berechnet das Tempo aus der Laufzeit der Lichtimpulse. | PoliScan Speed, PoliScan FM1, TraffiStar S350, Leivtec XV3 |
| Laserpistole | Ein Polizist zielt mit dem Handgerät auf ein einzelnes Fahrzeug. | Riegl FG21-P |
| Lichtschranke | Sensoren am Fahrbahnrand messen, wie lange ein Fahrzeug von einem zum nächsten braucht. | ESO ES 3.0, ES 8.0 |
| Radar | Reflektierte Radarwellen verändern ihre Frequenz – daraus ergibt sich das Tempo (Doppler-Effekt). | Multanova 6F, Traffipax SpeedoPhot |
| Sensoren | Piezokabel oder Induktionsschleifen in der Fahrbahn registrieren das Überfahren. | TraffiStar S330, TraffiPhot S |
| Video | Ein Fahrzeug fährt hinterher oder eine Kamera filmt von oben; Tempo oder Abstand werden aus dem Video berechnet. | ProViDa, VKS |
| Abschnittskontrolle | Zwei Kontrollpunkte erfassen das Fahrzeug; gemessen wird das Durchschnittstempo dazwischen. | Section Control |
Welches Gerät hat mich geblitzt?
In aller Regel steht das Messgerät schon im Anhörungsbogen oder im Bußgeldbescheid – mit Hersteller und Typ, etwa „PoliScan FM1“ oder „ES 3.0“. Was Sie dort nicht finden, steht in der Ermittlungsakte: der Softwarestand, der Eichschein, das Messprotokoll mit Aufstellung und Schulungsnachweis des Messbeamten, die Falldatei und das vollständige Beweisfoto. Die Akte fordert ein Anwalt bei der Bußgeldstelle an.
Mit diesen Unterlagen lässt sich prüfen, ob das Gerät richtig aufgebaut, gültig geeicht und vorschriftsmäßig bedient wurde – und ob die Messung eindeutig Ihrem Fahrzeug zugeordnet werden kann.
Toleranz: Was abgezogen wird
Von jedem gemessenen Wert wird eine Toleranz abgezogen, bevor das Bußgeld berechnet wird. Bei den gängigen geeichten Geräten sind das bis 100 km/h 3 km/h, darüber 3 Prozent des Messwerts – aufgerundet auf die nächste volle Zahl. Wer mit 130 km/h geblitzt wird, dem werden also 4 km/h abgezogen. Beim Nachfahren mit Video gelten je nach Verfahren höhere Abzüge. Ausrechnen können Sie Ihren Fall mit unserem Bußgeldrechner.
Standardisiertes Messverfahren – und warum das wichtig ist
Fast alle Blitzer in Deutschland gelten als standardisiertes Messverfahren: Das Gerät ist von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) zugelassen, und unter gleichen Bedingungen ist mit gleichen Ergebnissen zu rechnen. Für Betroffene heißt das: Das Gericht unterstellt zunächst, dass die Messung stimmt. Es prüft genauer nur, wenn es konkrete Anhaltspunkte für einen Fehler gibt.
Genau diese Anhaltspunkte zu finden, ist der Kern der Verteidigung – in der Aufstellung, der Eichung, der Zuordnung auf dem Foto oder in den Messdaten. Das Bundesverfassungsgericht hat die Rechte der Betroffenen dabei gestärkt: Sie dürfen grundsätzlich auch Informationen einsehen, die nicht in der Akte stehen, aber bei der Behörde vorhanden sind (Beschluss vom 12.11.2020, 2 BvR 1616/18). Der Antrag muss allerdings rechtzeitig im Bußgeldverfahren gestellt werden.
Einen Anspruch darauf, dass ein Gerät bestimmte Daten überhaupt speichert, gibt es dagegen nicht. Das Bundesverfassungsgericht hat 2023 keine Pflicht des Staates gesehen, Rohmessdaten vorzuhalten (2 BvR 1090/21), und der Bundesgerichtshof hat am 2. Juli 2026 entschieden, dass fehlende Rohmessdaten kein Verwertungsverbot begründen (4 StR 235/25). Seit August 2026 gilt das auch im Saarland, das bis dahin einen Sonderweg ging.
Häufige Fragen zu Blitzerarten
Welche Blitzerarten gibt es?
Nach der Technik unterscheidet man Laserblitzer (Laserscanner und Laserpistole), Lichtschranken, Radarblitzer, Sensoren in der Fahrbahn (Piezo oder Induktionsschleife), Videomessung und die Abschnittskontrolle (Section Control). Nach der Bauform gibt es mobile Blitzer, fest installierte Anlagen wie Starenkästen und Blitzersäulen sowie Blitzeranhänger.
Woher weiß ich, mit welchem Gerät ich geblitzt wurde?
Das Messgerät steht in der Regel im Anhörungsbogen oder im Bußgeldbescheid, etwa „PoliScan FM1“ oder „ES 3.0“. Genaue Angaben zu Softwarestand, Eichung und Aufstellung stehen in der Ermittlungsakte. Die bekommt man über einen Anwalt per Akteneinsicht.
Wie viel Toleranz wird bei Blitzern abgezogen?
Bei stationären und den meisten mobilen Messungen bis 100 km/h 3 km/h, darüber 3 Prozent des Messwerts. Beim Nachfahren mit Video oder ungeeichtem Tacho gelten höhere Abzüge.
Was ist ein standardisiertes Messverfahren?
Ein Verfahren, das von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt zugelassen ist und unter gleichen Bedingungen gleiche Ergebnisse liefert. Die Gerichte müssen die Messung dann nur genauer prüfen, wenn es konkrete Hinweise auf einen Fehler gibt. Diese Hinweise zu finden, ist der Kern jeder Verteidigung.
Habe ich Anspruch auf die Messdaten?
Grundsätzlich ja. Das Bundesverfassungsgericht hat 2020 entschieden, dass Betroffene auch Zugang zu Informationen bekommen müssen, die nicht in der Bußgeldakte stehen, aber bei der Behörde vorhanden sind – etwa Messdaten. Der Antrag muss rechtzeitig im Bußgeldverfahren gestellt werden.
Quellen:
- Bundesverfassungsgericht, Beschluss vom 12.11.2020 – 2 BvR 1616/18 (Zugang zu Messdaten)
- LTO: BGH – Rohmessdaten für Blitzer-Bußgeld nicht erforderlich (02.07.2026 – 4 StR 235/25)
- ADAC: Section Control – Tempoüberwachung in Deutschland (Stand 27.01.2026)
- forsema: Informationen zur Messtechnik Vitronic PoliScan FM1