Die Strafen aus dem aktuellen Bußgeldkatalog 2026 für das Nichteinhalten des Sicherheitsabstands nach Tachowert. Je höher die Geschwindigkeit und je geringer der Abstand, desto härter die Konsequenzen.
Zu dicht aufgefahren? Ab 80 km/h drohen Bußgelder, ab 100 km/h zusätzlich Fahrverbote.
Ein zu geringer Abstand ist eine der Hauptursachen für schwere Unfälle auf Autobahnen. Die Straßenverkehrsordnung (StVO) schreibt vor, dass der Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug so groß sein muss, dass Sie auch bei einem unerwarteten Bremsmanöver rechtzeitig anhalten können.
Zwei einfache Faustformeln helfen Ihnen dabei, den korrekten Abstand einzuhalten:
Faustformel "Halber Tacho": Außerhalb geschlossener Ortschaften sollte der Abstand in Metern mindestens die Hälfte Ihrer aktuellen Geschwindigkeit in km/h betragen. Bei 100 km/h wären das zum Beispiel 50 Meter. Zur Orientierung können Sie die Leitpfosten am Straßenrand nutzen, die in der Regel 50 Meter voneinander entfernt stehen.
Die 2-Sekunden-Regel: Suchen Sie sich einen markanten Punkt am Straßenrand. Wenn Ihr Vordermann diesen Punkt passiert, beginnen Sie zu zählen. Wenn Sie den Punkt nach zwei Sekunden oder mehr erreichen, ist Ihr Abstand ausreichend.
Abstandsmessung: Wie funktioniert sie?
Um Verstöße zu ahnden, setzt die Polizei verschiedene Messverfahren ein. Am häufigsten werden auf Autobahnbrücken Videomessanlagen, wie das Verkehrskontrollsystem VKS 4.5 verwendet. Dabei wird eine Messstrecke von einer Brücke aus überwacht.
Überfährt ein Fahrzeug die markierten Messpunkte, kann eine spezielle Software die gefahrene Geschwindigkeit und den Abstand zum Vordermann exakt ermitteln. Bei einem Verstoß wird ein Beweisvideo erstellt, das zur Anzeige der Ordnungswidrigkeit bei der zuständigen Bußgeldstelle führt.
Eine weitere Methode ist das ProViDa-System, das in zivilen Polizeifahrzeugen zum Einsatz kommt. Dabei werden die Abstände während der Fahrt per Video erfasst.
Abstandsverstoß: Bußgelder und Strafen
Ein zu geringer Abstand wird in Deutschland streng bestraft. Neben hohen Bußgeldern können je nach Schwere des Verstoßes auch Punkte und Fahrverbote drohen.
Die wichtigsten Strafen im Überblick:
Bei Geschwindigkeiten von über 80 km/h drohen Bußgelder ab 75 € und 1 Punkt.
Bei einem Abstand von weniger als 3/10 des halben Tachowerts bei über 100 km/h drohen 160 €, 2 Punkte und 1 Monat Fahrverbot.
Bei einem Abstand von weniger als 1/10 des halben Tachowerts bei über 130 km/h drohen 400 €, 2 Punkte und 3 Monate Fahrverbot.
Achtung: Drängeln mit Lichthupe kann als Nötigung gewertet werden, was eine Straftat ist und zu einem Führerscheinentzug führen kann.
Wann sich ein Einspruch lohnt
Auch bei der Abstandsmessung können Fehler auftreten. Zum Beispiel bei der Messung durch die Beamten oder durch technische Mängel am Messgerät. Die Nachweisbarkeit solcher Fehler ist jedoch aufwendig und erfordert meist die Expertise eines Anwalts.
Wenn Sie Zweifel an der Richtigkeit des Bußgeldbescheids haben, empfehlen wir eine kostenlose Ersteinschätzung. Nutzen Sie unseren Bußgeldcheck, um Ihren Fall unverbindlich von einem Verkehrsexperten prüfen zu lassen.
Autor
Oliver Godolt
Head of Content & Legal Tech Experte
Juristisch geprüft von RA Andreas Junge (Fachanwalt für Strafrecht und Experte für Verkehrsrecht)