Handy am Steuer: Bis zu 20 % erwischt – der Ländervergleich
In Schleswig-Holstein hatte jeder Fünfte das Handy in der Hand, in der Westpfalz nur jeder 88.: Die Bilanzen der Kontrollwoche „Focus on the Road“ gehen weit auseinander. Unser Ländervergleich zeigt, woran das liegt – und warum Aufnahmen des KI-Handyblitz
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Eine Woche lang hat die Polizei in ganz Europa gezielt nach abgelenkten Fahrern gesucht: Vom 5. bis 11. Oktober 2026 lief die ROADPOL-Kontrollwoche „Focus on the Road“. Jetzt kommen die Bilanzen aus den Ländern – und sie könnten unterschiedlicher kaum sein. In Schleswig-Holstein hatte rund jeder Fünfte das Handy in der Hand, in der Westpfalz laut Polizei nur jeder 88. Wir haben die Zahlen nebeneinandergelegt und erklären, warum sie sich so stark unterscheiden.
Die Bilanzen der Länder im Vergleich
| Polizei | Kontrolliert | Handy-Verstöße | Quote | Art der Kontrolle |
|---|---|---|---|---|
| Schleswig-Holstein (Landespolizei) | 5.134 | 1.054 | 20,5 % | Anhaltekontrollen landesweit |
| PP Rheinpfalz (RLP) | 1.269 | 181 | 14,3 % | Anhaltekontrollen, zusätzlich 114 Treffer per Monocam |
| PP Westpfalz (RLP) – Anhaltekontrollen | 572 | 77 | 13,5 % | gezielte Kontrollen |
| PP Westpfalz (RLP) – Monocam | rund 13.070 | 78 | 0,6 % | KI-Kamera erfasst den fließenden Verkehr |
| Thüringen (Landespolizei) | 3.695 | 88 | 2,4 % | landesweit, alle bei der Aktion überprüften Fahrzeuge |
Quote: eigene Berechnung von Bussgeldkatalog.news aus den veröffentlichten Zahlen (Stand 13.10.2026). In Schleswig-Holstein beziehen sich die Verstöße auf Personen, die Kontrollzahl auf Fahrzeuge.
Dazu kommen Bilanzen einzelner Städte: In Mönchengladbach stellte die Polizei bei 166 kontrollierten Fahrzeugen 103 Handyverstöße von Auto- und Radfahrern fest, in Gelsenkirchen wurden 45 Fahrer mit dem Handy am Steuer erwischt. Weitere Länder haben ihre Ergebnisse noch nicht veröffentlicht – wir ergänzen die Tabelle laufend.
Warum die Quoten so weit auseinanderliegen
Ob „jeder Fünfte“ oder „jeder 88.“ – die Zahlen sagen weniger darüber aus, wo besonders viel getippt wird, als darüber, wie kontrolliert wurde:
- Gezielte Anhaltekontrollen treffen vor allem Fahrer, denen die Beamten das Handy schon vorher angesehen haben. Entsprechend hoch sind die Quoten: 13,5 Prozent in der Westpfalz, 14,3 Prozent in der Rheinpfalz, über 20 Prozent in Schleswig-Holstein – und in Mönchengladbach, wo an ausgewählten Kontrollpunkten offenbar sehr gezielt angehalten wurde, lag der Anteil sogar bei über 60 Prozent.
- Breit angelegte Kontrollen verwässern die Quote: Thüringen kommt auf 2,4 Prozent, weil dort alle 3.695 bei der Aktion überprüften Fahrzeuge zählen – also auch solche, die aus anderen Gründen angehalten wurden.
- Die Monocam dagegen schaut sich jedes vorbeifahrende Fahrzeug an. In der Westpfalz erfasste sie rund 13.000 Fahrzeuge und fand 78 Verstöße – das sind 0,6 Prozent. Erst die Mischung beider Werte ergibt die „nur jeder 88.“, mit der die Polizei ihre Bilanz überschrieben hat. Hinzu kommt: Die Monocam wird offen eingesetzt, vor der Kamera kann ein Hinweisschild stehen – wer es sieht, legt das Handy rechtzeitig weg.
Ein Ranking „In welchem Bundesland wird am meisten am Steuer getippt“ geben die Zahlen deshalb nicht her. Was sie aber zeigen: Wo Beamte gezielt hinschauen, ist ein auffällig großer Teil der Fahrer tatsächlich abgelenkt.
Monocam: Was der KI-Handyblitzer leistet – und wo er rechtlich wackelt
Rheinland-Pfalz ist bislang das einzige Bundesland, das die sogenannte Monocam regulär einsetzt. Die Kamera filmt den Verkehr, eine Software sucht nach Handbewegungen und Geräten hinter der Windschutzscheibe, und Polizeibeamte prüfen jeden Treffer, bevor ein Verfahren eingeleitet wird. Alle übrigen Aufnahmen werden gelöscht. Im Polizeipräsidium Rheinpfalz war die Kamera bei der Kontrollwoche erstmals im Einsatz und lieferte 114 zusätzliche Verstöße.
Rechtlich steht die Technik auf wackligen Füßen. Rheinland-Pfalz hat seinem Polizeigesetz zum 1. März 2025 eine eigene Grundlage für die Kamera gegeben (§ 30 Abs. 8 POG). Das OLG Koblenz hat am 10. Oktober 2025 trotzdem einen per Monocam erwischten Fahrer freigesprochen und die Aufnahmen für unverwertbar erklärt – und dabei auch der neuen Regelung eine Absage erteilt: Wer Verstöße verfolgt, bewegt sich im Recht der Ordnungswidrigkeiten, und dafür ist der Bund zuständig, nicht das Land. Andere Juristen halten einen Einsatz unter strengen Voraussetzungen – kein flächendeckender Einsatz, sofortiges Löschen aller Nicht-Treffer, Prüfung jedes Treffers durch Menschen – für verfassungsrechtlich möglich. Eine höchstrichterliche Klärung steht aus.
Die Polizei in Rheinland-Pfalz setzt die Kamera dennoch weiter ein, wie die Kontrollwoche zeigt. Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat fordert sogar, die Monocam bundesweit einzuführen. In Bayern ist sie nach Angaben des Innenministeriums nicht konkret geplant.
Wer per Monocam erwischt wurde, sollte den Bescheid deshalb nicht einfach bezahlen, sondern prüfen lassen, ob die Aufnahme überhaupt verwertbar ist. Das geht kostenlos im Bußgeldcheck.
Gurt, Kinder, Führerschein: Was sonst auffiel
- Schleswig-Holstein: 836 Personen waren nicht angeschnallt, darunter 43 Kinder. 17 Fahrer hatten keinen Führerschein.
- Thüringen: In mehr als 100 Fällen fehlte der Gurt, über 30 Fahrzeuge bekamen einen Mängelbericht. Allein die Landespolizeiinspektion Saalfeld stellte acht Fahrer unter Drogen- und sechs unter Alkoholeinfluss fest.
- Gelsenkirchen: 52 Verwarnungsgelder wegen fehlenden Gurts, 133 Fahrzeuge waren zu schnell.
- Mönchengladbach: Ein Fahrer war mit 118 km/h unterwegs, wo 60 erlaubt sind.
Wer sich nicht anschnallt, zahlt 30 Euro. Ist ein Kind nicht gesichert, sind es 60 Euro und ein Punkt in Flensburg – mehr dazu unter Anschnallpflicht und Kindersitz.
Was Handy am Steuer kostet
| Verstoß | Bußgeld | Punkte | Fahrverbot |
|---|---|---|---|
| Handy am Steuer (Auto) | 100 € | 1 | – |
| … mit Gefährdung | 150 € | 2 | 1 Monat |
| … mit Sachbeschädigung | 200 € | 2 | 1 Monat |
| Handy auf dem Fahrrad | 55 € | – | – |
Verboten ist nicht nur das Telefonieren: Schon wer das Handy zum Lesen, Tippen oder Wechseln der Musik in die Hand nimmt, begeht einen Verstoß. Erlaubt ist die Bedienung nur per Sprachsteuerung oder mit einem kurzen Blick bei fest angebrachter Halterung. Alle Details stehen unter Handy am Steuer.
Quellen:
- HL-live: Kontrollwoche – 1.900 Verstöße in Schleswig-Holstein (Oktober 2026)
- NDR: Verkehrskontrollen in SH – jeder Fünfte mit Handy am Steuer
- Thüringen im Blick: ROADPOL-Kontrollwoche – Thüringer Polizei stellt zahlreiche Verstöße fest
- Polizeipräsidium Westpfalz via nachrichten-kl.de: Ergebnis der Kontrollwoche – nur jeder 88ste ist am Handy (13.10.2026)
- Polizeipräsidium Rheinpfalz: Bilanz der Kontrollwoche „Focus on the road“ vom 05.10. bis 11.10.2026
- Polizei Mönchengladbach (mg-moenchengladbach.de)
- Polizei Gelsenkirchen: Schwerpunktkontrolle ROADPOL „Focus on the road“
- Anwaltspraxis Magazin: „Handy-Blitzer“/Monocam – anlasslose Video-Verkehrsüberwachung (OLG Koblenz, 10.10.2025)
- Verfassungsblog: Handyblitzer powered by KI (Pschorr/Blocher, 01.07.2026)
- t-online: Verkehrssicherheitsrat fordert bundesweite KI-Kameras (25.01.2026)