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Bußgeldkatalog 2026
Blitzer · Messgeräte

ES 8.0: So misst der Einseitensensor – und wann ein Einspruch Chancen hat

Von Rechtsanwalt Andreas Junge Stand:

Der ES 8.0 ist der Nachfolger des bekannten ES 3.0 und einer der meistgenutzten mobilen Blitzer. Er steht unauffällig am Straßenrand, misst mit Lichtsensoren und kommt ohne Laser oder Radar aus. Weil er mobil aufgebaut wird, hängt viel davon ab, ob das Messteam alles richtig gemacht hat.

Mobile Geschwindigkeitsmessung mit Sensor und Kameras auf Stativen am Straßenrand
Mobile Messung am Fahrbahnrand: Sensor und Kameras werden für jede Kontrolle neu aufgebaut.

Auf einen Blick

5 Sensorenmessen Helligkeitsunterschiede am vorbeifahrenden Fahrzeug
mobilam Straßenrand, oft mit Messfahrzeug
3 km/hToleranzabzug bis 100 km/h, darüber 3 %

Steckbrief: ES 8.0

Herstellereso GmbH (heute Kistler-Gruppe)
MessprinzipEinseitensensor: optische Sensoren messen Helligkeitsprofile
Einsatzmobil am Fahrbahnrand, Kamera meist im Messfahrzeug
Messbereich10 bis 250 km/h
VorgängerES 3.0 (gleiches Grundprinzip)
Rechtlichvon der PTB zugelassen, als standardisiertes Messverfahren anerkannt (u. a. OLG Oldenburg 2019)

So misst der ES 8.0

Der ES 8.0 ist ein Einseitensensor: Ein flaches Gerät steht seitlich am Fahrbahnrand und schaut quer über die Straße. Darin sitzen fünf optische Sensoren. Fährt ein Auto vorbei, registrieren sie, wie sich die Helligkeit verändert – durch Licht, Schatten und Reflexionen der Karosserie. So entsteht für jedes Fahrzeug ein eigenes Helligkeitsprofil.

Drei Sensoren messen die Geschwindigkeit: Weil ihr Abstand zueinander bekannt ist, ergibt sich aus der Zeit, die das Profil von einem Sensor zum nächsten braucht, das Tempo. Zwei weitere Sensoren bestimmen, in welchem Abstand zum Gerät das Fahrzeug vorbeifährt – wichtig für die Zuordnung auf mehrspurigen Straßen.

Passen die Signale nicht zusammen, verwirft das Gerät die Messung. Die Kamera ist über Kabel oder Funk angebunden und fotografiert das Fahrzeug, wenn der Grenzwert überschritten ist.

Wo der ES 8.0 eingesetzt wird

Der ES 8.0 ist ein typisches Gerät für mobile Kontrollen von Polizei und Kommunen: an Ortseinfahrten, vor Schulen, auf Landstraßen. Er läuft mit eigenem Akku und lässt sich schnell aufbauen. Der Sensor steht meist unauffällig am Fahrbahnrand, die Kamera sitzt oft in einem geparkten Messfahrzeug oder auf einem Stativ daneben.

Typische Fehlerquellen

Weil der ES 8.0 bei jeder Kontrolle neu aufgebaut wird, liegen die Fehlerquellen vor allem beim Aufbau und bei der Auswertung:

  • Aufbau: Der Sensor muss nach Gebrauchsanweisung parallel zur Fahrbahn ausgerichtet sein. Das Messprotokoll muss den Aufbau nachvollziehbar dokumentieren.
  • Foto und Fotolinie: Auf dem Beweisfoto muss sich das Fahrzeug an der richtigen Position befinden. Weicht die Position ab, kann die Messung einem falschen Fahrzeug zugeordnet sein.
  • Mehrere Fahrzeuge: Fahren zwei Fahrzeuge dicht hintereinander oder nebeneinander, ist genau zu prüfen, welches gemessen wurde.
  • Eichung und Personal: Das Gerät muss gültig geeicht sein, die Messbeamten müssen für den ES 8.0 geschult sein.

Ein Mythos ist dagegen, dass LED-Scheinwerfer oder Blinker den Sensor stören. Die PTB hat das untersucht und kommt zu dem Ergebnis, dass dadurch keine falschen Messwerte entstehen.

Was die Gerichte sagen

Das OLG Oldenburg hat 2019 entschieden, dass Messungen mit dem ES 8.0 ein standardisiertes Messverfahren sind – wie beim Vorgänger ES 3.0. Das Gericht muss die Messung also nicht von sich aus hinterfragen. Ein Einspruch braucht konkrete Anhaltspunkte für einen Fehler.

Diese Anhaltspunkte stecken meist in den Unterlagen: Messprotokoll, Schulungsnachweise, Eichschein und die Fotos der gesamten Messreihe. Nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts können Betroffene grundsätzlich auch Unterlagen verlangen, die nicht in der Bußgeldakte liegen.

Was kostet es, wenn er auslöst?

Das Bußgeld hängt nicht vom Messgerät ab, sondern davon, wie schnell Sie nach Abzug der Toleranz waren und ob Sie inner- oder außerorts unterwegs waren. Abgezogen werden bis 100 km/h 3 km/h, darüber 3 % des Messwerts. Die wichtigsten Schwellen:

Alle Werte stehen in der Bußgeldtabelle Geschwindigkeit.

Geblitzt – so gehen Sie vor

  • Anhörungsbogen: Pflicht sind nur die Angaben zur Person. Zum Vorwurf müssen Sie nichts sagen – auch nicht, wer gefahren ist. Mehr unter Anhörungsbogen.
  • Einspruch: Gegen den Bußgeldbescheid haben Sie zwei Wochen ab Zustellung Zeit. Wer bezahlt, akzeptiert den Bescheid – geprüft wird dann nichts mehr. So geht der Einspruch.
  • Akteneinsicht: Messprotokoll, Eichschein, Falldatensatz und Schulungsnachweise bekommt in der Regel nur Ihr Anwalt. Erst damit lässt sich beurteilen, ob die Messung angreifbar ist.
  • Verjährung: Kommt der Bescheid zu spät, kann der Verstoß verjährt sein.

Ob sich ein Einspruch lohnt, prüft Rechtsanwalt Andreas Junge kostenlos im Bußgeldcheck.

Weitere Messgeräte

Häufige Fragen

Wie funktioniert der ES 8.0?

Fünf optische Sensoren erfassen das Helligkeitsprofil des vorbeifahrenden Fahrzeugs. Aus der Zeit, die das Profil zwischen den Sensoren braucht, berechnet das Gerät die Geschwindigkeit.

Was ist der Unterschied zwischen ES 3.0 und ES 8.0?

Beide arbeiten nach demselben Prinzip mit Lichtsensoren. Der ES 8.0 ist die neuere Generation mit eigenem Akku und kabelloser Anbindung.

Stören LED-Scheinwerfer die Messung?

Nach Untersuchungen der PTB nicht. LED-Scheinwerfer und intermittierende Blinker führen nicht zu falschen Messwerten.

Ist der ES 8.0 ein Laser oder Radar?

Weder noch. Er misst passiv mit Lichtsensoren, die Helligkeitsunterschiede auswerten.

Lohnt sich ein Einspruch gegen eine ES-8.0-Messung?

Bei mobilen Messungen lohnt sich ein Blick in Messprotokoll und Fotos oft. Rechtsanwalt Andreas Junge prüft im Bußgeldcheck kostenlos, ob sich ein Einspruch lohnt.

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