Zeitumstellung 2026: Jetzt steigt die Wildunfall-Gefahr
Mit der Zeitumstellung rückt der Feierabendverkehr schlagartig in die Dämmerung. Unsere Auswertung für elf Städte zeigt, wie früh es ab dem 26. Oktober dunkel wird – und was Autofahrer bei einem Wildunfall unbedingt beachten müssen.
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In der Nacht zum Sonntag, 25. Oktober 2026, werden die Uhren von 3 auf 2 Uhr zurückgestellt. Für Pendler hat das eine Folge, die viele unterschätzen: Der Feierabendverkehr rückt schlagartig in die Dämmerung – genau in die Zeit, in der Rehe, Wildschweine und Hirsche unterwegs sind. Wie stark sich das verschiebt, zeigt unsere Auswertung für elf Städte.
Feierabend in der Dämmerung: unsere Auswertung
Wir haben für elf Städte von Görlitz bis Aachen berechnet, wann am Samstag vor und am Montag nach der Zeitumstellung die Sonne untergeht und wann die bürgerliche Dämmerung endet – also der Zeitpunkt, ab dem es ohne künstliches Licht praktisch dunkel ist.
| Stadt | Sonnenuntergang Sa., 24.10. | Sonnenuntergang Mo., 26.10. | Dunkel ab Mo., 26.10. |
|---|---|---|---|
| Görlitz | 17:48 Uhr | 16:44 Uhr | 17:19 Uhr |
| Berlin | 17:52 Uhr | 16:48 Uhr | 17:24 Uhr |
| Dresden | 17:53 Uhr | 16:50 Uhr | 17:24 Uhr |
| Rostock | 17:53 Uhr | 16:49 Uhr | 17:26 Uhr |
| Hamburg | 18:03 Uhr | 16:59 Uhr | 17:36 Uhr |
| München | 18:08 Uhr | 17:04 Uhr | 17:37 Uhr |
| Hannover | 18:07 Uhr | 17:03 Uhr | 17:39 Uhr |
| Frankfurt am Main | 18:16 Uhr | 17:12 Uhr | 17:46 Uhr |
| Stuttgart | 18:16 Uhr | 17:13 Uhr | 17:46 Uhr |
| Köln | 18:21 Uhr | 17:17 Uhr | 17:52 Uhr |
| Aachen | 18:25 Uhr | 17:21 Uhr | 17:55 Uhr |
Das Ergebnis: Am ersten Arbeitstag nach der Umstellung geht die Sonne in Görlitz schon um 16:44 Uhr unter, in Aachen um 17:21 Uhr. Wer zwischen 17 und 18 Uhr nach Hause fährt, ist damit im ganzen Land mitten in der Dämmerung oder schon im Dunkeln unterwegs – zwei Tage vorher war es um 17 Uhr überall noch hell. Und es wird noch früher dunkel: Bis Ende November rückt der Sonnenuntergang um weitere rund 50 Minuten nach vorn.
Morgens ist es dagegen für einige Wochen wieder heller: Die Sonne geht am 26. Oktober zwischen 06:42 und 07:17 Uhr auf. Die Gefahr verlagert sich also vom Morgen- in den Abendverkehr.
276.000 Wildunfälle im Jahr
Nach Zahlen des Gesamtverbands der Versicherungswirtschaft (GDV) haben die Kfz-Versicherer für das Jahr 2024 rund 276.000 Wildunfälle mit kaskoversicherten Pkw registriert – im Schnitt mehr als 750 pro Tag. Der Schaden summierte sich auf über 1,1 Milliarden Euro, ein einzelner Wildunfall kostete die Versicherer durchschnittlich rund 4.100 Euro. Nicht enthalten sind Unfälle ohne Kaskoversicherung und mit Motorrädern – die tatsächliche Zahl liegt also höher.
Wo und wann es besonders gefährlich ist
- In der Dämmerung: Morgens und abends sind Wildtiere besonders aktiv – nach der Zeitumstellung fällt diese Phase mit dem Berufsverkehr zusammen.
- An Wald- und Feldrändern: Wo Wald auf Felder trifft oder eine Straße ein Waldstück durchschneidet, wechseln Tiere die Seite. Das Schild „Wildwechsel“ steht dort nicht ohne Grund.
- Auf Landstraßen: Hier wird schneller gefahren als im Ort, und es gibt meist keine Wildschutzzäune wie an vielen Autobahnen.
- Selten allein: Wo ein Reh oder Wildschwein über die Straße läuft, folgen oft weitere Tiere.
Wer in diesen Bereichen das Tempo reduziert, gewinnt den entscheidenden Bremsweg: Nach der bekannten Faustformel aus der Fahrschule beträgt der Anhalteweg bei 100 km/h rund 130 Meter, bei 80 km/h nur rund 88 Meter – und kommt es doch zum Zusammenstoß, fällt er deutlich weniger heftig aus.
Tier auf der Straße: Bremsen statt ausweichen
- Abblenden und hupen: Fernlicht blendet die Tiere, sie bleiben dann oft wie erstarrt stehen.
- Kräftig bremsen, Lenkrad gerade halten: Ein riskantes Ausweichmanöver endet häufig am Baum oder im Gegenverkehr – und ist deutlich gefährlicher als der Zusammenstoß mit einem Reh.
- Lässt sich der Aufprall nicht vermeiden: Lenkrad festhalten und in der Spur bleiben.
Nach dem Zusammenstoß: Was jetzt zu tun ist
- Unfallstelle sichern: Warnblinker an, Warnweste anziehen, Warndreieck aufstellen.
- Polizei rufen (110): Sie verständigt den zuständigen Jäger. Für die Versicherung brauchen Sie in der Regel eine Wildunfallbescheinigung, die Polizei oder Jäger ausstellen.
- Verletztes Tier nicht anfassen: Verletzte Wildtiere können sich wehren. Ein totes Tier nur dann von der Fahrbahn ziehen, wenn das gefahrlos möglich ist – am besten mit Handschuhen.
- Spuren dokumentieren: Fotos vom Tier, von der Unfallstelle und vom Schaden am Auto, auch Haare oder Blut am Fahrzeug.
- Versicherung zügig informieren und mit der Reparatur warten, bis die Versicherung den Schaden begutachten konnte.
Was rechtlich gilt – und wo es teuer werden kann
- Tier nicht mitnehmen: Wer ein überfahrenes Reh oder Wildschwein einlädt, macht sich wegen Wilderei strafbar (§ 292 StGB) – auch wenn das Tier bereits tot ist.
- Leitplanke oder Zaun beschädigt? Dann ist neben dem Tier auch fremdes Eigentum betroffen. Wer in diesem Fall einfach weiterfährt, riskiert ein Verfahren wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort (§ 142 StGB) – mit Folgen bis hin zum Führerscheinentzug.
- Teilkasko zahlt bei Haarwild: Gedeckt sind in der Regel Zusammenstöße mit Rehen, Hirschen, Wildschweinen oder Füchsen. Bei Vögeln oder Haustieren springt die Teilkasko meist nicht ein, viele Tarife haben aber erweiterte Klauseln.
- Ausgewichen und im Graben gelandet? Auch dann kann die Versicherung zahlen – allerdings nur, wenn das Ausweichen objektiv geboten war. Bei kleinen Tieren wie Hasen werten Gerichte ein riskantes Manöver oft als Überreaktion.
Ermittelt die Polizei nach einem Wildunfall wegen Unfallflucht, sollten Betroffene keine Angaben zur Sache machen, bevor sie sich beraten lassen haben. Rechtsanwalt Andreas Junge prüft im kostenlosen Check, wie Sie am besten reagieren.
Berechnung von Sonnenuntergang und Dämmerung: eigene Auswertung von Bussgeldkatalog.news für die jeweiligen Stadtzentren (bürgerliche Dämmerung, Sonne 6° unter dem Horizont). Abweichungen von ein bis zwei Minuten je nach Standort sind möglich.