Italien testet KI-Blitzer: Handy und Gurt werden automatisch erkannt

Reisen - Redaktion - 02.09.2026, 17:45 Uhr
Auf der Schnellstraße Firenze–Pisa–Livorno läuft ein 90-tägiger Test mit SafeDrive. Das KI-System erkennt Handynutzung und fehlende Sicherheitsgurte – während der Testphase noch ohne Bußgelder.

Moderne Verkehrskamera an einer Schnellstraße in Italien.

KI-Kontrolle auf der Fi-Pi-Li gestartet

In Italien wird eine neue Form der Verkehrsüberwachung erprobt. Auf der stark befahrenen Schnellstraße Firenze–Pisa–Livorno (Fi-Pi-Li) in der Toskana läuft seit August 2026 ein Test des Systems SafeDrive. Die Anlage wurde im Bereich von Lastra a Signa installiert und soll zunächst 90 Tage lang im realen Verkehr getestet werden.

Anders als ein klassischer Geschwindigkeitsblitzer richtet sich der aktuelle Versuch vor allem auf das Verhalten im Fahrzeuginneren. Die zuständigen Stellen wollen prüfen, wie zuverlässig die Software mögliche Verstöße auch bei hohem Verkehrsaufkommen und unterschiedlichen Fahrzeugtypen erkennt.

Was SafeDrive erkennen kann

SafeDrive kombiniert hochauflösende Kameras mit Infrarotbeleuchtung und einer automatisierten Bildauswertung. Nach Angaben aus der Toskana kann das System insbesondere mögliche Handynutzung während der Fahrt sowie einen nicht angelegten Sicherheitsgurt auf den vorderen Sitzplätzen erkennen.

  • Smartphone: Die Software soll typische Nutzungen wie Telefonieren, Schreiben von Nachrichten oder die Bedienung von Apps unterscheiden können.
  • Sicherheitsgurt: Kamerabilder werden darauf analysiert, ob Fahrer oder Beifahrer angeschnallt sind.
  • Kennzeichen: Über automatische Kennzeichenerfassung können zusätzlich Versicherungsstatus und Hauptuntersuchung des Fahrzeugs überprüft werden.

Der Test ist deshalb auch für deutsche Urlauber interessant: Die Fi-Pi-Li verbindet Florenz, Pisa und Livorno und wird auf vielen Reiserouten durch die Toskana genutzt.

Während des Tests noch keine Bußgelder

Entscheidend ist der aktuelle Status: Während der 90-tägigen Erprobung werden auf Basis des Systems keine Bußgelder verschickt. Die Testphase dient zunächst dazu, die Genauigkeit der Algorithmen zu bewerten. Die technische Erkennung eines möglichen Verstoßes bedeutet außerdem nicht automatisch, dass dieser ohne weitere rechtliche Voraussetzungen maschinell sanktioniert werden darf.

Für klassische Geschwindigkeitskontrollen bleiben die bereits vorhandenen Messanlagen auf der Strecke davon unberührt. Nach den veröffentlichten Informationen zur Erprobung ist zudem entscheidend, dass die KI zunächst nur einen möglichen Verstoß meldet. Für Handy- und Gurtverstöße ist die technische Erkennung derzeit nicht gleichbedeutend mit einem automatisch versandten Strafzettel; eine rechtssichere Ahndung setzt weiterhin die vorgesehenen Kontroll- und Verfahrensschritte voraus.

Was Urlauber jetzt wissen sollten

Wer 2026 durch die Toskana fährt, muss wegen SafeDrive also noch keinen neuen automatischen Bußgeldbescheid für Handy- oder Gurtverstöße befürchten. Der Versuch zeigt aber deutlich, wohin sich Verkehrskontrollen entwickeln können. Unabhängig von der Technik gelten die italienischen Vorschriften zu Handynutzung und Sicherheitsgurt natürlich weiterhin und können von der Polizei kontrolliert und geahndet werden.