Ein politisches Paradoxon in Berlin: Obwohl die Stadt jährlich Millionenbeträge durch Bußgelder von Verkehrssündern einnimmt, sind die Bußgeldstellen der Polizei veraltet und leiden unter einem erheblichen Bearbeitungsstau. Die Einnahmen fließen nicht in die Modernisierung der Behörden oder in die Anschaffung neuer Blitzer, sondern versickern im allgemeinen Haushalt.
Dieses Dilemma führt dazu, dass die Bußgeldstelle, die die Verstöße bearbeitet, keine finanziellen Mittel hat, um sich selbst zu modernisieren oder die Blitzerflotte zu erneuern. Dies wiederum bremst die Effektivität der Verkehrsüberwachung aus.
Ein Blick auf die Zahlen verdeutlicht die Situation:
Der Kern des Konflikts liegt in der Verwendung der Bußgelder. Innensenatorin Iris Spranger (SPD) fordert einen eigenen Wirtschaftsplan für die Bußgeldstelle, um die Einnahmen direkt in die Verkehrssicherheit zu investieren. "In einem Wirtschaftsunternehmen würde man das, was man einnimmt, zur Refinanzierung nehmen", so Spranger. Sie beruft sich dabei auf den Koalitionsvertrag, der eine solche Prüfung vorsieht.
Finanzsenator Stefan Evers (CDU) lehnt dies jedoch ab. Da sich die Koalition in dieser Frage nicht einigen kann, hofft Spranger nun auf eine Änderung im Abgeordnetenhaus.
Bußgeldstellen sind die zentralen Behörden zur Ahndung von Verkehrsverstößen. Ihre Hauptaufgabe besteht darin, Bußgeldbescheide auszustellen und die damit verbundenen Verfahren zu bearbeiten – von der Auswertung der Radarfotos bis zur Einziehung der Geldbußen. Die Organisation dieser Behörden ist in Deutschland von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich.
In einigen Bundesländern sind die Bußgeldstellen zentral organisiert, um Abläufe zu bündeln und die Effizienz zu steigern. Beispiele hierfür sind das Regierungspräsidium Kassel in Hessen oder der Zentraldienst der Polizei in Brandenburg. In anderen Regionen sind sie dezentral auf Kreis- oder Stadtebene angesiedelt, wie der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte zeigt.
Die Opposition sieht in der Blockade der Koalition ein "Armutszeugnis" für die Verkehrssicherheit. Antje Kapek (Grüne) kritisiert, dass kein einziger neuer Blitzer angeschafft werden soll, obwohl die steigende Zahl verunglückter Kinder ein Alarmsignal sei, das dringend mehr Kontrollen erfordere.
Der frühere Streit um die Finanzierung ist kein neues Thema, wie ein älterer Artikel belegt, der bereits darauf hinwies, dass Berlin kein Geld für neue Blitzer hat. Diese erneute Debatte zeigt, dass die zugrundeliegende Problematik ungelöst bleibt.
Eine Übersicht über die Zuständigkeiten in der ganzen Bundesrepublik finden Sie in unserem Verzeichnis der Bußgeldstellen in Deutschland. Spezifische Daten und Kontaktdetails zur Berliner Behörde haben wir auf der Seite der Bußgeldstelle des Polizeipräsidenten in Berlin zusammengetragen.